Cholesterin wird vom Körper für die Bildung von wichtigen Hormonen, aber auch zur Vitamin-D-Erzeugung benötigt. Der Körper stellt Cholesterin zum großen Teil selbst her und nur ein kleiner Teil wird über tierische Lebensmittel aufgenommen.

Cholesterin: Zu viel davon ist ungesund – zu wenig allerdings auch.

Was ist Cholesterin?

Cholesterin ist ein Naturstoff. Er wird im menschlichen Körper zum größten Teil selbst herstellt (synthetisiert) und nur zu einem geringen Teil über die Nahrung aufgenommen.

Cholesterin kommt hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln vor. Seitdem die Medizin den menschlichen Körper immer mehr erforscht und kennenlernt, ist der Ruf des Cholesterins ziemlich angeschlagen. Natürlich kennst Du all die Aussagen, die kursieren und denen zufolge Cholesterin für den Menschen eigentlich komplett ungesund sein soll. Aber wie für so viele Dinge im Leben gilt auch hier, dass ein „zu wenig“ ebenso schädlich ist wie ein „zu viel“. Der sprichwörtliche gesunde Mittelweg ist im Fall des Cholesterins auch die gesunde Antwort.

Dein Körper benötigt Cholesterin für die Bildung von wichtigen Hormonen und auch für die Erzeugung von Vitamin D im Körper. Die Produktion von Gallensäure und von Glykosiden (bestimmte chemische Verbindungen auf organischer Basis) wird ebenfalls von Cholesterin gesteuert. Zudem ist Cholesterin wichtig für das Herz, da es die Herzmuskulatur stärkt.

Wovon hängt der Cholesterinspiegel ab?

Bei dieser Frage muss man zunächst einmal differenzieren: Im Prinzip gibt es zwei verschiedene Cholesterinwerte, einerseits den LDL-Spiegel (Low Density Lipoprotein) und andererseits den HDL-Spiegel (High Density Lipoprotein). Aus diesen beiden Werten wird der Gesamtcholesterinspiegel errechnet.

Cholesterin wird, wie gesagt, zum größten Teil von Deinem Körper selbst hergestellt und nur zu 10% über die Nahrung aufgenommen. Die körpereigene Cholesterinproduktion reguliert sich dabei in Abhängigkeit von Deiner Ernährung: Wenn Du viel Cholesterin aufnimmst, drosselt die Leber die körpereigene Herstellung – wenn Du Dich hingegen relativ cholesterinarm ernährst, kurbelt die Leber die Produktion an.

Auch wenn in Wissenschaft und Forschung noch über etliche Details gestritten wird: Sicher ist, dass fettreiche Ernährung den Cholesterinspiegel nach oben treibt. Auch das Fett, das Du in Form von gesättigten Fettsäuren zu Dir nimmst, erhöht den Wert.

Erwiesen ist darüber hinaus, dass eine erblich bedingte Veranlagung zu hohen Cholesterinwerten die Werte ebenfalls erhöht. Dies gilt insbesondere in Kombination mit einem ungünstigem Essverhalten.

Der Cholesterinwert bei einem durchschnittlich gesunden erwachsenen Menschen sollte den Wert von 200 Milligramm pro Deziliter Blutserum nicht übersteigen.

Da wir Menschen in der westlichen Welt pro Tag um die 400 Milligramm Cholesterin allein über die Nahrung zu uns nehmen, ist eine gesunde und gut funktionierende Leber überlebenswichtig. In Verbindung mit starkem Alkoholkonsum, Nikotin und Stress ist ein hoher Cholesterinspiegel daher definitiv schädlich.

Wer ist besonders von Cholesterinmangel betroffen?

Auch wenn man im Allgemeinen hauptsächlich über die Gefahren eines überhöhten Cholesterinwertes spricht, ist auch ein Cholesterinmangel gesundheitsschädlich.

Dieser stellt sich zum Beispiel ein, wenn über längere Zeit eine mangelhafte Ernährung vorliegt, wenn Du eine Leberschwäche hast oder Dich eine Schilddrüsenüberfunktion quält, die sogenannte Hyperthyreose. Außerdem können dauerhafte Infektionen, schwere Erkrankungen wie Krebs oder auch polytraumatische Verletzungen Cholesterinmangel auslösen.

Welche Folgen hat Cholesterinmangel?

Ein klassisches Symptom eines zu geringen Cholesterinspiegels ist die komplette Antriebslosigkeit, wenn also die Energie im Körper selbst für einfache Tätigkeiten nicht mehr aufgebracht werden kann. Zudem haben Studien erwiesen, dass die Gefahr, an einer Depression zu erkranken, bei jungen Frauen deutlich höher ist, wenn der Cholesterinspiegel zu stark absinkt.

Erwiesen ist anhand von Studien, dass auch Personen mit niedrigem HDL-Spiegel ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall haben. Zudem gibt es Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass das Wachstum von Tumoren einen zu niedrigen Cholesterinwert hervorrufen. Als Begründung wird hier angeführt, dass ein wachsender Tumor viel körpereigenes Cholesterin verbraucht.

Welche Wirkung bzw. Nebenwirkung hat Cholesterin?

Welche Wirkung?

Als Stoff im Körper erfüllt Cholesterin wie eingangs erwähnt einige wichtige Funktionen. So hat es eine direkte Wirkung auf die Stabilität der Plasmamembran, jene Biomembran, die die lebende Zelle umgibt und sie intern stützt.

Aus Cholesterin gewinnt der menschliche Körper zudem Gallensäure und Steroidhormone, zu denen auch die Sexualhormone gezählt werden. Ein spezielles Enzym im Körper wandelt darüber hinaus Cholesterin in Pregnenolon um. Daraus wiederum werden die Geschlechtshormone Progesteron, Testosteron und Östradial produziert.

Welche Nebenwirkungen?

Dass Cholesterin aber auch unerwünschte Nebenwirkungen hervorruft, zeigt sich, wenn die Werte deutlich zu hoch sind. Dann drohen Gefäßverengungen aufgrund von Cholesterinablagerungen und Durchblutungsstörungen.

Langfristig erhöht sich so das Risiko für eine arterielle Verschlusskrankheit, koronare Herzkrankheit sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arteriosklerose oder Atherosklerose.

Auch Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes können die Folgen eines zu hohen Cholesterinspiegels sein. Aus diesen Faktoren oder aus einer Mischung daraus können Schlaganfälle und Herzinfarkte resultieren.

Beim Thema Cholesterinüberschuss gehören Männer deutlich häufiger als Frauen zu einer der vielen Risikogruppen (Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Rauchen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie, starker Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, Stress, Übergewicht, verschiedene Medikamente, Schilddrüsenerkrankungen). Sie sollten daher besonders auf ihren Cholesterinspiegel achten.

Wo ist Cholesterin enthalten?

Cholesterin ist vor allem in Nahrungsmitteln tierischer Herkunft enthalten – Fleisch, Fisch, Eier sowie Milch und Milchprodukte. Vegetarier und Veganer müssen sich um einen erhöhten Cholesterinspiegel in der Regel keine Sorgen machen.

Das wohl cholesterinreichste Nahrungsmittel sind Hühnereier; ein Eigelb enthält ungefähr 250 Milligramm Cholesterin. Aber auch fettiger Fisch wie Aal, Forelle und Kabeljau oder Innereien wie Rindsleber und Niere enthalten viel Cholesterin. Ebenso Schmalz und Butter. Milch und Käse – etwa Camembert – sind ebenfalls Träger dieses Stoffs.

Aber keine Sorge, wenn Du Deinen Cholesterinspiegel senken möchtest, musst Du nicht völlig auf tierische Lebensmittel verzichten: Fischarten wie Scholle, Hering und Lachs enthalten wenig Cholesterin, dafür aber viele gesunde Omega-3-Fettsäuren.

Auch Nahrungsmittel wie Schokolade und Nüsse sind zwar reich an Fetten, haben aber niedrige Cholesterinwerte.

Wie viel Cholesterin benötigt der Körper?

Dass Du eine tägliche Dosis an Cholesterin brauchst, ist klar. Wie viel? Das ist abhängig von Geschlecht und Alter sowie weiteren Faktoren. Im Folgenden ein Überblick.

Wie viel Cholesterin benötigen Frauen?

Die Deutsche Lipid-Liga gibt als Richtwert an, dass der Wert des Gesamtcholesterins bei gesunden Frauen die 250 Milligramm nicht übersteigen sollte. Ausgehend davon kann jede Frau gemeinsam mit ihrem Arzt herausfinden, was sie täglich essen darf, um diesen Wert nicht dauerhaft zu überschreiten. Klar ist aber auch, dass vor allem der HDL-Wert nicht zu niedrig werden darf. Hier sind 40 Milligramm als Mindestmaß empfohlen.

Wie viel Cholesterin benötigen Männer?

Wenn Du als Mann besonders gefährdet bist, weil Du bereits einen Herzinfarkt, eine Gefäßerkrankung oder eine koronare Herzkrankheit erlitten hast, so spielt das Gesamtcholesterin keine Rolle mehr. Es wird dann nur noch auf den möglichst niedrigen LDL-Wert (maximal 130 Milligramm) und den hoffentlich hohen HDL-Wert (mindestens 40 Milligramm) geachtet. Die empfohlene tägliche Dosis an Cholesterin lässt sich aus den persönlichen Werten genau berechnen.

Wie viel Cholesterin benötigen Kinder?

Besonders wichtig ist es, schon bei Kindern darauf zu achten, wie niedrig oder hoch der Cholesterinspiegel ist. Wie die „Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen“ (DGFF), kurz Lipid-Liga, mitteilt, sind mehr als 200 Milligramm zu viel. Ein Wert zwischen 175 und 200 Milligramm wird demnach als kontrollbedürftig eingestuft. Alles, was unter diesen 175 Milligramm liegt, gilt als völlig unbedenklich. Alle Werte beziehen sich auf das Gesamtcholesterin. Bestimmte Mindestwerte finden keine Erwähnung, allerdings ist davon auszugehen, dass eine normale, ausgewogene Ernährung diese Mindestwerte garantiert.

Wie viel Cholesterin benötigen Schwangere?

Frauen haben in der Schwangerschaft keinen erhöhten bzw. verminderten Cholesterinbedarf.

Stillende haben ebenso keinen erhöhten bzw. verminderten Cholesterinbedarf.

Was bedeuten Deine Cholesterinwerte?

Das ist eine wichtige Frage, deren Beantwortung immer von den Werten selbst abhängt. Cholesterin ist nicht in jeder Form schädlich, sondern in gewissen Mengen notwendig zum Leben. Es stützt Zellmembranen, ist die Ausgangssubstanz für Sexual- und andere Hormone, verantwortlich für die Bildung von Gallensäure und hilft bei der Produktion von Vitamin D. Ist Dein Cholesterinwert zu niedrig, kann es sein, dass Du unter Antriebslosigkeit leidest, anfällig für Depressionen wirst und dass das Risiko von Schlaganfällen und Herzinfarkten steigt.

Genau diese beiden letztgenannten Gefahren sind es allerdings auch, die drohen, wenn Dein Cholesterinwert dauerhaft zu hoch ist. Dann nämlich lagert sich dieser Stoff an den Innenwänden der Arterien ab, was zu Arterienverkalkung, einer Verengung der Blutgefäße und schlussendlich zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann.

Sonstiges Wissen über Cholesterin

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich unzählige Studien mit dem Naturstoff Cholesterin befasst, doch bis heute sind nicht alle Fragen geklärt – im Gegenteil. Wissenschaftler und Forscher streiten sich immer noch über vermeintliche Wirkungen, Nebenwirkungen und schädliche bzw. nützliche Eigenschaften von Cholesterin.

Einigkeit herrscht inzwischen darüber, dass ein hoher LDL-Wert ebenso schadhaft ist wie ein niedriger HDL-Wert und dass Cholesterinwerte durcherhöhten Stressbeeinflusst werden. Sicher scheint inzwischen auch, dass sich die künstliche Absenkung von Cholesterin negativ auf die Leistung des Gedächtnisses auswirkt.

Quellen

  • Theodor Neuhausen: Cholesterol: Perceptions of its role in the body. Academic, 1977, Diss, Uni. Cologne, Med. Fak
  • Uffe Ravnskov: Myth cholesterol: the ten biggest mistakes. Hirzel, 2002. ISBN 3777611816
  • Cholesterol study. In „Management & Krankenhaus“ 2015, 5, ISSN 0176-053X
  • Cholesterol in focus. In „Medical Newspaper“, 2015, 120, ISSN 0175-5811
  • The rogue cholesterol. In „Medical Newspaper“, 2012 70, ISSN 0175-5811
  • Birgit Will: Without lactose and cholesterol. In „Lebensmittel Zeitung“, 2006, 45, ISSN: 0947-7527
  • Hans-Jürgen Holtmeier: cholesterol, physiology, pathophysiology and clinic. Springer, 1996, ISBN 3540606718

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