Hämoglobin ist nicht nur für die rote Farbe des Blutes verantwortlich, sondern ist der Hauptbestandteil der roten Blutkörperchen. Es bindet Sauerstoff und transportiert ihn so durch den ganzen Körper.

Hämoglobin: Der Farbstoff der roten Blutkörperchen.

Was ist Hämoglobin?

Hämoglobin ist der Hauptbestandteil der roten Blutkörperchen. Es besteht aus Proteinen (hier Globine genannt) und einem Eisen-Molekül, das Sauerstoff aufnehmen kann und dadurch die charakteristisch rote Farbe erzeugt. Es ist das Hauptprotein der Erythrozyten, der roten Blutkörperchen.

Hämoglobin verleiht Deinem Blut die rote Farbe. Es bindet den über die Lunge aufgenommenen Sauerstoff und transportiert ihn in den ganzen Körper. Ebenso bindet es das Abfallprodukt Kohlendioxid und transportiert es zurück zur Lunge.

Die Struktur des Hämoglobins

Hämoglobin besteht aus vier Globinen und einem Eisen-Molekül. Es ist ein sog. Tetramer – eine Einheit, die aus vier Untereinheiten besteht. Hämoglobin setzt sich aus 2 alpha- und 2 beta-Ketten zusammen. Die alpha-Kette enthält 141 Aminosäuren und die beta-Kette 146. Jede enthält eine Häm-Gruppe, die eine Bindung mit einem Sauerstoffmolekül eingehen kann (also insgesamt 4 Sauerstoffmoleküle).

Wovon hängt der Hämoglobinspiegel ab?

Ein gesunder Erwachsener, hat etwa 25 Billionen rote Blutkörperchen. Die Erythrozyten leben im menschlichen Körper durchschnittlich 120 Tage und werden von der Milz und der Leber abgebaut.

In Deinem Organismus schwimmen ungefähr 750 g Hämoglobin. Weniger ist es, wenn Eisenmangel oder eine andere Störung die Bildung der roten Blutkörperchen vermindern.

Damit sich Hämoglobin bilden kann, muss es sich mit Eisen verbinden. Also sind die Eisenaufnahme und die Blutbildung eng miteinander verknüpft. Wird über die Nahrung nicht genug Eisen aufgenommen (siehe Artikel zu eisenhaltige Lebensmittel), kann es zu einer mangelnden Hämoglobinbildung kommen.

Wer ist besonders von Hämoglobinmangel betroffen?

Ein zu niedriger Hämoglobinwert kann auch durch den Blutverlust durch einen Unfall oder eine Operation verursacht werden.

Auch Erkrankungen von Nieren und Darm oder eine Blutbildungsstörung können den Hämoglobinwert negativ beeinflussen.

Ein weiteres Risiko für eine Störung des Hämoglobinhaushalts ist eine Malaria-Infektion: Der Malaria-Erreger spaltet den Farbstoff vom Protein ab und nimmt das Protein als Nahrung auf.

Auch genetische Defekte können den Hämoglobinhaushalt stören, das führt zur sogenannten Häm-Synthese. Betroffene leiden unter Lichtempfindlichkeit, Bauchschmerzen oder neurologischen Beschwerden.

Welche Folgen hat Hämoglobinmangel bzw. -überversorgung?

Eine offensichtliche Störung, wenn Dein Hämoglobinwert zu niedrig ist, ist die Anämie(Blutarmut). Sie äußert sich durch niedrigen Blutdruck, Schwindel, Schwäche und Müdigkeit. Ob Du unter Anämie leidest, muss ein Arzt feststellen. Hier kannst Du schon mal testen, ob Deine Abgeschlagenheit mit Deinem Hämoglobin- oder Eisenwert zusammenhängen könnte.

Das Gegenteil eines zu niedrigen Hämoglobinwertes ist eine Polyglobulie oder Erythrozytose, die sich durch einen Überschuss von roten Blutkörperchen auszeichnet. Sie kann durch starke Flüssigkeitsverluste, Rauchen oder Sauerstoffmangel durch beispielsweise lange Aufenthalte in ausgeprägten Höhen verursacht werden.

Wenn Du starker Raucher bist und Dein letztes Blutbild schon eine Weile zurückliegt, solltest Du Dein Hämoglobin kontrollieren. Auch Lungenkrankheiten zeichnen sich durch einen erhöhten Hämoglobinwert aus.

Wo ist Hämoglobin enthalten?

Hämoglobin selbst ist in reiner Form nirgends enthalten. Es bildet sich vor allem in Verbindung mit Eisen. Entsprechend wichtig ist eine angemessene Eisenzufuhr.

Welche Wirkung bzw. Nebenwirkung hat Hämoglobin?

Hämoglobin bindet den eingeatmeten Sauerstoff mit Hilfe von Eisen und versorgt damit alle Organe und Gewebe in unserem Körper. Außerdem ist es verantwortlich für den Transport des Kohlendioxids aus dem Gewebe zur Lunge, wo es ausgeatmet wird.

Hämoglobin beeinflusst ebenfalls den Blutdruck und den Blutfluss. Es hat die Gabe, mit Hilfe chemischer Verbindungen die Blutgefäße erweitern zu können, was einen Abfall des Blutdrucks verursachen kann und gleichzeitig die Durchblutung fördert.

Mediziner können aus dem Hämoglobinspiegel Erkenntnisse für ihre Diagnose gewinnen. Der Hämoglobinspiegel von Männern ist meistens höher als der von Frauen.

Wie viel Hämoglobin benötigt Dein Körper?

In der Entwicklung vom Säugling zum Erwachsenen entwickeln wir auch unterschiedliche Formen des Hämoglobins. Noch im Mutterleib wird es als embryonales oder fetales Hämoglobin bezeichnet. Erwachsene bilden adultes Hämoglobin. Ein Unterschied ist beispielsweise, dass embryonales Hämoglobin mehr Sauerstoff binden kann.

Wie viel Hämoglobin benötigen Frauen?

Frauen haben ungefähr 12-16 Gramm pro Deziliter (g/dl) Hämoglobin im Blut. Dein Hämoglobinwert ist also kritisch, wenn der Marker weniger als 12 g/dl beträgt.

Wie viel Hämoglobin benötigen Männer?

Normalerweise haben Männer 13-17,5 g/dl im Blut. Deine Hämoglobinwerte sind kritisch, wenn die Marker weniger als 13 g/dl anzeigen.

Wie viel Hämoglobin benötigen Kinder?

Während der Schwangerschaft werden die Embryonen / Föten vom Mutterkuchen und der Nabelschnur mit Nährstoffen und Blut der Mutter versorgt. Die Blutkörperchen der Föten sind sauerstoff-affiner als die von Erwachsenen.

Was bedeuten Deine Hämoglobinwerte?

Hier haben wir eine Tabelle für den Überblick zu Hämoglobin.

  • Normalwert Männer 13–17,5 g/dl Blut
  • Normalwert Frauen 12–16 g/dl Blut
  • Blutarmut Männer < 13 g/dl Blut
  • Blutarmut Frauen < 12 g/dl Blut

Wie es um Deine Hämoglobinwerte steht, kannst Du in einem Bluttest ermitteln.

Wenn Dein Hämoglobinwert zu niedrig ist und keine ernsthaften Krankheiten dahinter stecken, kannst Du ihn mit Hilfe einer bewusst eisenhaltigen Ernährung wieder ausgleichen. Da der Körper nur wenig Eisen am Tag aufnehmen kann, empfiehlt das Uniklinikum Leipzig den Eisen- und damit den Hämoglobinwert langfristig zu beobachten. Bis sich der Eisenhaushalt und damit das Hämoglobin erholt haben, kann es 50 bis 60 Tage dauern. Mehr dazu kannst Du im Text über Eisen erfahren.

Sonstiges Wissen über Hämoglobin

Es ist bisher noch nicht gelungen, künstliches Blut herzustellen. Damit bleiben Blut und Hämoglobin ganz besondere Stoffe, die uns am Leben halten.

Quellen

  • Barbara J. Bain: Variant haemoglobins : a guide to identification. Wiley-Blackwell, 2010, ISBN 1405167157
  • H. Lehmann: Man’s haemoglobins : including the haemoglobinopathies and their investigation. North-Holland Publ. Comp., 1974, ISBN 0397581483
  • J. Neuwirt: Regulation of haemoglobin synthesis. Nijhoff, 1977, ISBN 9024719992
  • C. J. Masters: Haemoglobin, isoenzymes and tissue differentiation. North-Holland, 1975, ISBN 0444108122
  • Hermann Lehmann: Haemoglobin-Colloquium : Wien, 31.8.1961. Thieme, 1962, DNB 451757564
  • E.-P. Horn: Bovines Hämoglobin. In „Der Anaesthesist“, 47(1998), 2, ISSN 0003-2417
  • K. Betke: Hämoglobin-Anomalien. In „Blut Zeitschrift für die Gesamte Blutforschung“, 7(1961), ISSN 0006-5242

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