fbpx
Rohes Rindfleisch mit Rosmarin

Die Aminosäure Prolin wirkt sich auf die Bildung von Kollagen aus und ist daher entscheidend für die Bildung und die Gesundheit von Bindegewebe und Knochen. Fehlt es, macht sich der Mangel durch eine schnelle Faltenbildung und schwache Knochen bemerkbar.

Prolin: Ein wichtiger Baustein für die Kollagensynthese.

Was ist Prolin?

Prolin ist eine Aminosäure, die in Deinem Körper selbst hergestellt werden kann. Hierdurch wird sie als sogenannte nicht-essenzielle Aminosäure bezeichnet.

Lebenswichtig ist die Substanz dennoch, auch wenn sie nach wie vor nicht allzu bekannt ist. Zudem kann der menschliche Organismus Prolin zwar eigenständig synthetisieren, durch Krankheiten, große Belastungen oder mit zunehmendem Alter nimmt die Produktionsleistung aber merklich ab. Die Aufnahme aus der Nahrung oder durch Nahrungsergänzungsmittel wird dann besonders wichtig und Prolin zur semi-essenziellen Aminosäure.

Wovon hängt Dein Prolinspiegel ab?

Dein Prolinspiegel hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen von der Ernährung. Auch wenn Dein Körper die nicht-essenzielle Aminosäure selbst produzieren kann, benötigt er für die Herstellung entsprechende Bausteine. In diesem Fall die Glutaminsäure, die wiederum selbst eine Aminosäure ist. Auf Deinem Speiseplan sollten also möglichst viele eiweißreiche Lebensmittel stehen.

Außer der Ernährung ist natürlich Dein Bedarf entscheidend. Wachstum und Alter, Sport, Stress, Krankheiten – all das beeinflusst den Prolinverbrauch, den Dein Körper hat. Aufgrund der Funktionen von Prolin, das maßgeblich am Aufbau und der Regeneration von Knochen, Knorpel und Bindegewebe beteiligt ist, wird es in großen Mengen während des Wachstums in der Kindheit benötigt. Aber auch mit zunehmendem Alter, wenn der Körper Prolin nur in unzureichendem Maße herstellen kann, ist der Bedarf erhöht.

Wer ist besonders von Prolinmangel betroffen?

Wie bei allen Aminosäuren tritt ein Mangel im Grunde nur auf, wenn Eiweiße in der Ernährung fehlen. Andere Faktoren können aber ebenfalls verantwortlich sein. Darunter:

  • Essstörungen und Mangelernährung: Magersucht, Bulimie, einseitige Diäten, unausgewogene Ernährung und langes Fasten können zu einem Mangel an Prolin führen.
  • Große Belastungen: Stress, Krankheiten, Leistungssport, Verletzungen und Knochenbrüche aber auch Schwangerschaft und Stillzeit stellen Herausforderungen für den Körper dar und erhöhen den Bedarf an Prolin. Wird dieser nicht durch die Ernährung zeitnah ausgeglichen, entsteht ein Mangel.
  • Alter: Prolin ist entscheidend an der Bildung von Kollagen beteiligt, was wiederum für das Wachstum und die Regeneration von Knochen, Knorpel, Sehnen, Haut und Bindegewebe benötigt wird. Während des Wachstums und mit zunehmendem Alter werden große Mengen davon benötigt. Die körpereigene Produktion reicht dann nicht immer aus, um den Bedarf zu decken und Defizite können auftreten.

Wer ist besonders von einer Prolinüberversorgung betroffen?

Eine Prolinüberversorgung tritt nur selten auf und kann über die Ernährung allein kaum erreicht werden. Selbst bei einer zusätzlichen Zufuhr über Nahrungsergänzungsmittel ist Dein Körper in der Lage, nicht benötigtes Prolin auszuscheiden beziehungsweise abzubauen. Lediglich bei starken Überdosierungen der Aminosäure kann es zu kurzzeitig erhöhten Werten kommen. Betroffen hiervon sind also nur Menschen, die Prolin als Supplement in hohen Dosen aufnehmen.

Welche Folgen hat ein Prolinmangel?

Besteht ein Prolinmangel , weil nicht ausreichend große Mengen der Aminosäure aufgenommen oder gebildet werden können, „bedient“ sich der Körper an den vorhandenen Vorräten. Er bezieht das benötigte Prolin also aus Knochen und Bindegewebe. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Elastizität der Haut und anderer Gewebe sowie auf die Stabilität der Knochen.

Welche Folgen hat eine Prolinüberversorgung?

Nebenwirkungen bei einer Prolinüberversorgung sind nicht bekannt.

Welche Symptome treten bei einem Prolinmangel auf?

Mögliche Symptome bei einem Prolinmangel sind:

  • Veränderungen der Haut: Wird das Kollagen in Folge eines Mangels abgebaut, kann eine vorzeitige und beschleunigte Faltenbildung auftreten. Die Haut verliert an Elastizität, wirkt schlaffer und dünner.
  • Nachlassende Knochenstärke: Da Kollagen zu großen Mengen in den Knochen vorkommt, baut der Körper bei einem Prolinmangel Kollagen ab. Dadurch verlieren die Knochen an Stabilität, werden brüchiger und empfindlicher gegen Stöße und Stürze.
  • Gewebe und Gelenke: Typisch für einen Prolinmangel sind Gelenkschmerzen und -probleme. Da hier Knorpel, Sehnen und Bindegewebe aufeinander treffen, und all diese durch ein Defizit an der Aminosäure geschwächt werden, kommt es zu einem beschleunigten Verschleiß. Zudem werden die Gefäße ebenfalls geschwächt und verlieren an Elastizität.

Welche Symptomen treten bei einer Prolinüberversorgung auf?

Wie bereits erwähnt, sind bisher keine Nebenwirkungen bei einer Überversorgung von Prolin bekannt.

Wo ist Prolin enthalten?

Prolin steckt in einer Vielzahl von Lebensmitteln und ist vor allem in tierischen Produkten enthalten. Eine Versorgung ist daher gerade für Vegetarier und Veganer schwierig, jedoch nicht unmöglich, wenn auf die richtigen Nahrungsmittel gesetzt wird.

  • Fleisch: Schwein und Rind, vor allem Leber und Muskelfleisch sowie Geflügel liefern viel Prolin.
  • Fisch und Meeresfrüchte: Mit Ausnahme von Kaviar enthalten Fisch und Meeresfrüchte im Vergleich zu Fleisch weniger Prolin, sind aber dennoch gute Quellen der Aminosäure.
  • Milchprodukte und Ei: Käsefreunde dürfen sich freuen, denn in Emmentaler, Edamer und Co. stecken sehr große Mengen an Prolin. In Milch, Joghurt und Eiern hingegen eher wenig.
  • Hülsenfrüchte: Sojabohnen, Limabohnen und Linsen sind hervorragende Prolin Lieferanten und ideale Aminosäure Quellen für alle, die fleischlos glücklich leben.
  • Getreide und Nüsse: Mehl aus Weizen und Dinkel, Nudeln, Hirse und Hafer bieten teilweise ebenfalls sehr hohe Prolinwerte. Ebenso wie Erdnüsse.
  • Gemüse, Obst und Kräuter: Petersilie, Kartoffeln, Meerrettich und Bambussprossen enthalten ebenfalls Prolin, können den Bedarf aber alleine nicht decken.

Welche Wirkungen und Nebenwirkungen hat Prolin?

Prolin wirkt sich positiv auf das Wachstum, die Knochenstärke und Elastizität der Sehnen, Gewebe und Haut aus. Es hilft bei der Regeneration und kann Schäden ausgleichen sowie eine vorzeitige Alterung vermeiden. Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Wie viel Prolin benötigt Dein Körper?

Bisher existiert keine Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Gesundheit bezüglich des Tagesbedarfs von Prolin. Dieser Zustand liegt zumindest teilweise daran, dass es sich bei Prolin um eine nicht-essenzielle beziehungsweise semi-essenzielle Aminosäure handelt – Dein Körper kann sie also selbst herstellen und muss nicht ausschließlich über die Ernährung versorgt werden.

Dennoch empfiehlt es sich, Deinen Speiseplan ausgewogen und eiweißreich zu gestalten. Mindestens 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht musst Du täglich alleine dafür aufnehmen, damit unter normalen Umständen und bei sonstiger Gesundheit kein Muskelabbau stattfindet. Bei großer psychischer oder physischer Anstrengung ist es entsprechend mehr.

Wer regelmäßig Sport treibt oder großem Stress ausgesetzt ist, kann die Eiweißaufnahme auf 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht erhöhen. Bereits bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm ist jedoch auch diese Menge zu bewältigen:

  • 70 x 0,8 = 56 Gramm Protein pro Tag – so viel steckt in etwas mehr als 200 Gramm Thunfisch oder Linsen.
  • 70 x 1,2 = 84 Gramm pro Tag – dieser Bedarf kann über eine Kombination an verschiedenen eiweißhaltigen Lebensmitteln gedeckt werden.

Was bedeuten Deine Prolinwerte?

Für Prolin gelten bei Erwachsenen Normwerte von bis zu 350 µmol/l. Werden diese deutlich über- oder unterschritten, besteht eine Überversorgung oder ein Mangel. Feststellbar ist dies allerdings nur mittels einer speziellen Blutuntersuchung, bei der ein sogenanntes Aminosäureprofil erstellt wird.

Zu beachten sind zudem Deine Ernährungsgewohnheiten, Lebensumstände, Alter und eventuell vorliegende Krankheiten. Hast Du beispielsweise vor der Untersuchung besonders eiweißreich gegessen, können erhöhte Werte auch schlicht auf die aktuellen Mahlzeiten zurückzuführen sein und müssen nicht auf einen bestehenden Überschuss hinweisen.

Leidest Du hingegen gerade an einer Infektion, ist Dein aktueller Bedarf erhöht – niedrige Prolinwerte weisen dann also nicht in jedem Fall auf einen chronischen Mangel hin. Nur wiederholte Untersuchungen und die Berücksichtigung der genannten Faktoren bringt endgültigen und eindeutigen Aufschluss.

Ist eine Nahrungsergänzung mit Prolin für Dich sinnvoll?

Da Prolin in Deinem Körper selbst gebildet werden kann, ist eine Nahrungsergänzung mit der Aminosäure nicht in jedem Fall sinnvoll oder erforderlich. In der Regel ist eine ausgewogene, eiweißreiche Ernährung vollkommen ausreichend, um den individuellen Bedarf zu decken. Zudem gesünder, da die isolierte Aufnahme von Aminosäuren oder anderen Stoffen oftmals zwar einen Mangel deckt – jedoch ebenso andere Mangelzustände schaffen oder zu einer Überdosierung führen kann. Verantwortlich hierfür ist der Eingriff in die Prozesse des Körpers, die mit einer Störung des Gleichgewichts einhergehen können.

Sinnvoll ist die zusätzliche Aufnahme von Aminosäuren immer dann, wenn Dein Körper besonderen Belastungen ausgesetzt ist. Anstrengendes, häufiges Training, anhaltende Stresssituationen, Krankheiten oder einseitige Diäten erhöhen Deinen Bedarf deutlich und können eine Nahrungsergänzung erforderlich machen. Auch mit zunehmendem Alter oder wenn Du eine ausgewogene Ernährung zeitweise nicht sicherstellen kannst, sind Proteinpräparate oder Supplemente mit Prolin empfehlenswerte Alternativen.

Tipp: Achte darauf, Prolin möglichst mit Vitamin C zu kombinieren. Ein Glas Orangensaft, eine handvoll Petersilie, Paprika oder Obst zum Nachtisch reichen aus. Vitamin C verbessert die Aufnahme und Funktion der Aminosäure.

Quellen

  • Bouzid Nedjimi: Proline : Biosynthesis, regulation and health benefits. Nova Science Publishers, 2013, ISBN 1622577396
  • Amy M. Grunden: Proline dipeptidase from Pyrococcus furiosus. In „Methods in Enzymology“, 2001, Elsevier BV, ISSN 0076-687
  • Reinhard Bruckner: Organic mechanisms : reactions, stereochemistry and synthesis. Springer, 2010, ISBN 3642036511
  • Charles E. Mortimer: Chemie : das Basiswissen der Chemie. Thieme, 2010, ISBN 3134843102
  • de Sain-van der Velden: The Proline/Citrulline Ratio as a Biomarker for OAT Deficiency in Early Infancy. In „JIMD Reports“, 2012, Springer Science + Business Media, ISSN 2192-8304
  • S. Jentsch: The ubiquitin system in health and disease. Springer, 2009, ISBN 3540851062
  • Advanced organic chemistry, A, Structure and mechanisms. Springer, 2007

Kommentar verfassen