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leidende Frau im Bett

Für viele ein unangenehmes Thema, jedoch für mindestens genauso viele ist es ein Thema: Blähungen und Blähbauch. Ein vorübergehend aufgeblähter Bauch nach einem üppigen Essen ist durchaus normal. Allerdings ist ein chronischer Blähbauch nicht nur äußerst unangenehm, sondern kann im Alltag, begleitet durch Schmerzen, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Verdauungsproblemen, auch eine wahre Belastung darstellen. Doch warum haben so viele Menschen Probleme mit einem Blähbauch? Wir decken hier mögliche Ursachen, wie auch Lösungen auf.

Ursachen und Lösungsansätze für einen Blähbauch

Die schlechte Nachricht zuerst: Es gibt sehr viele unterschiedliche Ursachen für Verdauungsprobleme und einen Blähbauch, die alle untersucht werden sollten. Die gute Nachricht ist aber, dass es Erklärungen und Lösungen gibt. Wo man früher gerne mit der Diagnose Reizdarmsyndrom und Stress allein gelassen wurden, gibt es heute eine Reihe von Tests und Selbsttests, die das eigentliche Problem eines Blähbauches aufdecken können.

Zunächst muss jedoch gesagt werden, dass bei Verdauungsproblemen, einschließlich Luft im Bauch, auch eine ernste Krankheit, wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Pankreatitis, Zöliakie, Diabetes, Roemheld-Syndrom oder Darmkrebs dahinter stecken kann. Wenn die Beschwerden chronisch auffällig stark sind oder weitere Beschwerden hinzukommen, sollte ein Arzt die Ursache abklären.

In den allermeisten Fällen hat ein Blähbauch, oder medizinisch ausgedrückt Meteorismus, allerdings harmlosere Ursachen. Neben Ursachen, die im Essverhalten begründet sind und leicht behoben werden können, kann ein chronischer Blähbauch auch tiefliegende Gründe, die mit dem Verdauungssystem zusammenhängen, haben.   

  1. Probleme mit einzelnen Lebensmitteln / Lebensmittelgruppen

Lebensmittelintoleranzen

Von einer Lebensmittelintoleranz spricht man, wenn der Körper spezielle Nahrungsbestandteile nicht verdauen bzw. verarbeiten kann. Dazu gehört die Laktose-, Fruktose- und die Histaminintoleranz.

Die Laktoseintoleranz kommt recht häufig vor. Hierbei fehlt dem Körper das Enzym Laktase, welches den Milchzucker (Laktose) spaltet und es so vom Körper aufnehmbar macht. Wenn die Laktose nicht gespaltet werden kann, gelangt sie in den Dickdarm und wird dort von Bakterien zersetzt, was Gase und Durchfall zur Folge hat.

Bei der Fruktoseintoleranz verhält es sich ähnlich. Kurz gesagt mangelt es an einem Transporter, der den Fruchtzucker (Fruktose) aus dem Dünndarm aufnimmt. Der Fruchtzucker gelangt deshalb in den Dickdarm, wo Bakterien den Zucker zersetzen und dabei Gase und Verdauungsprobleme entstehen können.

Eine Histaminintoleranz entwickelt sich, wenn Histamin durch ein fehlendes Enzym vom Körper nicht mehr ausreichend abgebaut werden kann. Das zusätzlich durch die Nahrung aufgenommene Histamin verursacht dann Probleme, die sich sehr vielseitig äußern können. Verdauungsprobleme und Blähungen gehören zu den typischen Symptomen.

Lebensmittelintoleranzen können beim Arzt mit speziellen Atemtests diagnostiziert werden. Liegt eine Intoleranz vor, sollten die nicht verträgliche Lebensmittelgruppe gemieden werden. Bei der Laktoseintoleranz helfen auch Laktasetablette, die vor einer Mahlzeit mit Milchprodukten eingenommen werden.

Lebensmittelallergien

Bei einer Lebensmittelallergien stuft das Immunsystem des Körper eigentlich harmlose Substanzen als gefährlich ein und versucht diese zu bekämpfen. Dies kann zum einen sehr schwere, z.T. lebensbedrohliche Sofortreaktionen hervorrufen, andererseits kann es sich aber auch in vergleichsweise milden Symptomen wie Verdauungsproblemen, einschließlich Blähungen, äußern. Ein Allergietest wird meist beim Arzt durchgeführt, in Zunkunft wird es jedoch auch hier bei Lykon ein Allergietest in Form eines IGE-Antikörper-Bluttests geben. Bei einem positiven Ergebnis müssen die allergieauslösenden Lebensmittel anschließend gemieden werden.

Lebensmittelunverträglichkeiten

Wenn der Körper individuell bestimmte Lebensmittel nicht gut verträgt, spricht man von einer Lebensmittelunverträglichkeit. Wenn eine Unverträglichkeit vorhanden ist, liegt es meist daran, dass die Darmwand gestört ist und durchlässig wird. Dies kann z.B. durch eine chronische Entzündung, einen ungesunden Lebensstil oder durch Medikamente, vor allem Antibiotika, hervorgerufen werden. Es gelangen unnatürlich viele, nicht vollständig verdaute Nahrungsproteine durch den Darm ins Blut. Der Körper erkennt diese Stoffe als Fremdkörper und beginnt Antikörper gegen sie aufzubauen. Die Symptome, unter anderem Verdauungsprobleme und Meteorismus, treten unspezifisch und zeitversetzt auf.

Oft ist eine Lebensmittelunverträglichkeit recht schwer zu erkennen. Neben dem Führen von Ernährungstagebüchern, biete ein Bluttest auf IgG4- Antikörper eine Möglichkeit Lebensmittelunverträglichkeiten aufzuzeigen.

  1.  Darmbakterien

Dysbiose

Forscher haben mittlerweile über 1000 verschiedene Spezies an Darmbakterien identifiziert. Die meisten dieser Darmbakterien sind für unsere Gesundheit und den Verdauungstrakt förderlich, wir leben sozusagen in Symbiose miteinander. Jedoch sind einige wenige, pathogene Arten weniger hilfreich. Werden die “guten Darmbakterien“ z.B. durch eine Antibiotika-Einnahme dezimiert oder werden durch eine ungesunde Ernährung die pathogenen Bakterien gestärkt, entsteht ein Ungleichgewicht und eine Dysbiose. Dies kann vielerlei negative Auswirkungen, wie Verdauungsprobleme, vermehrte Gasproduktion und -ansammlung sowie ein geschwächtes Immunsystem haben.

Bei Verdacht einer Dysbiose kann ein Stuhltest hilfreich sein. Dieser gibt einen Einblick in die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms. Anschließend kann darauf aufbauend gezielt Probiotika eingenommen werden und die Population der “guten Darmbakterien” durch Präbiotika gestärkt werden. Präbiotika wirken sozusagen als Futter für die nützlichen Darmbakterien und sind im Wesentlichen Ballaststoffe und Mikronährstoffe. Eine Ernährung mit reichlich pflanzlichen, natürlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüssen ist empfehlenswert um langfristig das Mikrobiom und den Magen-Darm-Trakt zu stärken. Andererseits sollten Zucker sowie industriell verarbeitete Lebensmittel so gut es geht gemieden werden.

Dünndarmfehlbesiedlung / SIBO (Small Intestine Bacterial Overgrowth)

Der überwiegende Teil der Darmbakterien befinden sich im Dickdarm. Dort werden die vom Verdauungssystem “übrig gebliebenen” Nahrungsreste weiter von Bakterien verarbeitet. Auf der anderen Seite befinden sich im Dünndarm weitaus weniger Bakterien, da hier die Nahrungsbestandteile vom Darm aufgenommen und nicht von Bakterien verarbeitet werden sollen. Zwischen Dickdarm und Dünndarm befindet sich eine Art Klappe, die verhindern soll, dass Bakterien aus dem Dickdarm in den Dünndarm gelangen. Bei einer Dünndarmfehlbesiedlung gelangen jedoch Dickdarm-Bakterien in den Dünndarm, vermehren sich dort und fermentieren die Nahrung. Dies führt typischerweise kurz nach dem Essen zu Gasbildung und einem Blähbauch, oft gepaart mit häufigem Aufstoßen und Übelkeit. Ebenfalls können Verstopfungen und/oder Durchfall zusätzliche Symptome sein.

Ein Atemtest, ähnlich wie bei der Laktose- oder Fruktoseintoleranz, kann zur Diagnostizierung herangezogen werden. Hierzu wird eine Zuckerlösung eingenommen und die ausgeatmete Konzentration an Wasserstoff gemessen. Dieses ist das Ausscheidungsprodukt der Bakterien, welche im Dünndarm fälschlicherweise den Zucker verarbeiten. Abhängig von der verwendeten Zuckerlösung, können Rückschlüsse gezogen werden welcher Teil des Dünndarms betroffen ist.

Anschließend gibt es verschiedene Möglichkeiten eine Dünndarmfehlbesiedlung zu behandeln. Antibiotika, oder pflanzliche, antibiotisch-wirkende Mittel werden oft eingesetzt um die Bakterien im Dünndarm zu reduzieren. Zusätzlich sollte auf eine Ernährung geachtet werden, welche den Aufbau guter Darmbakterien unterstützt. Eine andere Möglichkeit ist die Durchführung einer speziellen SIBO-Diät, bei der die Bakterien im Dünndarm sprichwörtlich ausgehungert werden.

  1.  Sonstige Ursachen

Blähende Lebensmittel

Einige Lebensmittel haben eine blähende Wirkung. Besonders Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Knoblauch, Kohl, große Mengen an Rohkost und sehr zucker- oder fettreiche Lebensmittel sollten bei empfindlichen Menschen mit Vorsicht genossen werden. Dabei kann es helfen, besonders bei ballaststoffreichen Lebensmitteln und Hülsenfrüchten, den Magen-Darm-Trakt langsam an diese zu gewöhnen. Besonders bei Menschen mit chronischem Reizdarmsyndrom, hat sich die low-FODMAP Diät bewährt. Hierzu werden Lebensmittel mit bestimmten kurzkettigen Kohlenhydraten gemieden. Diese stehen im Verdacht bei empfindlichen Menschen nicht ausreichend im Dünndarm aufgenommen und somit von Bakterien fermentiert zu werden.

Essverhalten

Schnelles, hastiges Essen führt dazu, dass mehr Luft geschluckt wird, welches den Magen aufblähen kann. Hinzu kommt, dass schnelles Essen meist mit unzureichendem Kauen einhergeht und so die Verdauung erschwert wird. Auch die Reihenfolge der verzehrten Lebensmittel kann bei empfindlichen Menschen von Bedeutung sein. Da bestimmte, wasserreiche Lebensmittel, vor allem Obst, sehr schnell den Magen-Darm-Trakt passieren, sollten sie möglichst morgens oder bei einer Mahlzeit als erstes verzehrt werden. Gefolgt von Salaten / Rohkost und anschließend gekochten Speisen. Wenn Obst z.B. als Nachtisch verzehrt wird, verweilt es länger im Magen und fängt an zu gären, was Gase entstehen lässt.

Kaugummi

Durch das Kauen von Kaugummis gerät viel Luft in den Magen. Zusätzlich enthalten viele Kaugummis künstliche Zuckeraustausch-Stoffe, welche bei vielen Menschen zusätzlich einen Blähbauch und Verdauungsprobleme begünstigen können.  

Bewegungsmangel

Beschwerden können, neben der Ernährung, auch durch mangelnde Bewegung verursacht werden. Der Darm wird träge und die Nahrung wird nur langsam weitertransportiert. Dies kann Gasbildung und einen Blähbauch sowie Verstopfungen zur Folge haben.

Hormone

Bei Frauen kann ein Blähbauch auch durch Hormonschwankungen während der Periode, Schwangerschaft oder Wechseljahren verursacht bzw. verstärkt werden. In dieser Zeit produziert der Körper mehr Progesteron, was die Darmmuskulatur entspannen lässt und der Darm sich folglich mehr aufblähen kann. Zusätzlich wird vermehrt Wasser eingelagert.

Stress

Nicht umsonst ist der Darm auch als zweites Gehirn bekannt. Mit über 100 Millionen Nervenzellen wird unser “Bauchhirn” ähnlich wie das richtige Gehirn auch von äußeren Reizen beeinflusst.  Dieses schlägt sich meist in Verdauungsproblemen nieder. Bei chronischem Stress wird das Hormon Cortisol ausgeschüttet. Dies bewirkt, dass der Körper möglichst viel Energie für eine mögliche “Fight-or-Flight” Situation bereit hält und einige Körperfunktionen, wie die Verdauung, zurückschraubt. Die verlangsamte Verdauung kann Blähungen und Verstopfung zur Folge haben.

 

Erste-Hilfe-Maßnahmen zur Symptomlinderung

 

Hat man beim Essen mal über die Stränge geschlagen oder sucht Linderung der Symptome bei einem chronischen Blähbauch, empfehlen sich folgende Tipps.

Kräuter

Die Anwendung bestimmter Kräuter als Tee oder ätherische Öle, kann Linderung verschaffen. Bewährt sind entblähend sowie entspannend wirkende Kräuter, wie Kümmel, Fenchel oder Pfefferminz.

Wärme

Eine einfache Lösung, die manchmal Wunder wirkt. Wärme durch z.B. ein Wärme- oder Kischkernkissen, entspannt den Magen-Darm-Trakt und kann Krämpfe sowie Gasansammlungen lösen.

Medikamente

Kurzfristig können entschäumend wirkende Medikamente, wie Dimeticon oder Simeticon, Linderung verschaffen. Dies ist jedoch keine langfristige Lösung, da immer auch nach den Ursachen eines Blähbauches geforscht werden sollte.

Bewegung

Besonders nach einem üppigen Essen empfiehlt sich etwas Bewegung, wie der sogenannte Verdauungsspaziergang oder leichte Übungen wie das Radfahren in der Luft. Dies kurbelt die Verdauung an und Gase können aus dem Magen-Darm-Trakt entweichen. Ein leichtes Bauchmuskel-Workout kann durch den Wechsel von An- und Entspannung die Bauchmuskeln aktivieren und den Darm entkrampfen.

 

Quellen:

 

  • Harder, H., Hernando-Harder, A.C., Singer, M.V. (2005) Meteorismus–Ursachen und gezielte Therapieansätze, in:  Deutsche Ärzteblatt, 102, pp.A3264-A3270. Online: http://www.aerzteblatt.de/archiv/49264, abgerufen am 11.04.2019
  • Hermann Feldmeier: Lebenswichtiges Getümmel im Darm. Pharmazeutische Zeitung 47/2012. http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?id=44218, abgerufen am 11.04.2019
  • Ghoshal, U. C., Srivastava, D. (2014) Irritable Bowl Syndrom and small intestinal bacterial overgrowth: Meaningful association or unnecessary hype? in: World J. Gastroenterol, Nr. 20, Vol. 10, S. 2482-2491
  • Moayyedi,, P., Quigley, E.M., Lacy, B.E., et al. (2015) The Effect of Dietary Intervention on Irritable Bowel Syndrome: A Systematic Review, in: Clinical and translational gastroenterology, Nr. 6, Vol. 8  

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