fbpx

Die Erdnussallergie zählt zu den gefährlichsten Nahrungsmittelallergien, nicht zuletzt, da sich die Allergene nur schwer vermeiden lassen.

Erdnussallergie

Was ist eine Erdnussallergie?

Bei der Erdnussallergie handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems auf in den Erdnüssen enthaltene Stoffe, die sogenannten Allergene. Im Grunde sind diese harmlos. Sie werden von der körpereigenen Abwehr jedoch fälschlicherweise als gefährlich angesehen und – ähnlich wie Krankheitserreger – entsprechend bekämpft. Hierdurch kann es von leichten Beschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Reaktionen kommen.

Was sind Erdnüsse?

Erdnüsse sind zwar dem Aussehen und dem Namen nach Nüsse, gehören botanisch gesehen jedoch zu den Hülsenfrüchten. Aufgrund ihres Aufbaus und der Struktur der Erdnusseiweiße, können gleich mehrere Substanzen in ihnen Allergien auslösen. Bisher wurden 12 Inhaltsstoffe der Erdnuss als Allergene registriert. Das Bedeutendste darunter ist das Allergen Ara h2, das als besonders gefährlich gilt.

Wie viele Menschen sind von einer Erdnussallergie betroffen?

In England und den USA leiden mittlerweile etwa ein bis zwei Prozent der gesamten Bevölkerung unter einer Erdnussallergie.

In Deutschland sind 0,5 bis 1,4 Prozent der Kinder von einer tatsächlichen Erdnussallergie betroffen, wobei zehn bis zwanzig Prozent der Kinder und Jugendlichen eine Erdnuss-Sensibilisierung aufweisen. Das heißt, dass nicht jeder mit einer entsprechenden Veranlagung auch wirklich Symptome aufzeigt.

Eine Gesamtzahl aller Erdnussallergiker in Deutschland gibt es bisher nicht.

Ursachen und Risikofaktoren einer Erdnussallergie

Was passiert bei einer Erdnussallergie im Körper?

Vor jeder Allergie steht der Erstkontakt, bei dem das Immunsystem auf die jeweiligen Allergene sensibilisiert wird. Im Falle der Erdnuss wird der körpereigene Antikörper Immunglobulin Egewissermaßen „programmiert“ und erkennt die Allergene der Erdnuss als gefährlich an. Kommt es zu einem zweiten Kontakt mit Erdnüssen, tritt eine Allergen-Antikörper-Reaktionein.

Hierdurch werden wiederum Mastzellen in Schleimhäuten und Haut dazu angeregt, entzündungsauslösende Stoffe – wie beispielsweise Histamin – auszuschütten. Die Folgen sind unter anderem Schwellungen und Entzündungen.

Welche Arten der Erdnussallergie gibt es?

Die Erdnussallergie gehört zum Sofort-Typ beziehungsweise Typ 1 der Allergien, da der Kontakt mit den Allergenen sofort Symptome auslöst. Die Erdnussallergie selbst wird nicht in weitere Arten unterschieden, es gibt aber verschiedene Schweregrade.

Bei einigen Betroffenen löst der Verzehr von Erdnüssen eher leichte Beschwerden aus. Bei anderen Erdnussallergikern reichen Hautkontakt oder das Einatmen von Erdnussstaub aus, um gefährliche Symptome hervorzurufen.

Wie entsteht eine Erdnussallergie?

Wie eine Erdnussallergie entsteht ist noch unklar. Sicher ist nur, dass das Immunsystem falsch auf Stoffe reagiert, die an sich ungefährlich sind.

Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer Erdnussallergie?

Da die Erdnussallergie vor allem in westlichen Ländern auftritt, vertreten zahlreiche Wissenschaftler die Hygienehypothese. Diese besagt, dass zu viel Hygiene – vor allem in der Kindheit – das Immunsystem unterfordert. In der Folge richtet es sich gegen harmlose Substanzen und Allergien entstehen.

Bewiesen ist zudem, dass die Veranlagung für Allergien vererbt werden kann. Leiden beide Eltern unter Allergien, besteht ein 60-prozentiges Risiko, dass die Kinder ebenfalls Allergien entwickeln werden.

Auch der Zeitpunkt der Einführung von Erdnüssen in den Speiseplan kann eine Rolle spielen. Wissenschaftliche Belege hierzu gibt es bisher allerdings noch nicht.

Symptome einer Erdnussallergie

Welche Symptome treten bei einer Erdnussallergie auf?

Die möglichen Symptome einer Erdnussallergie reichen von leichten Beschwerden bis hin zu lebensgefährlichen Reaktionen, decken also ein breites Spektrum ab. Zu ihnen gehören:

  • Haut und Schleimhaut: Schwellungen, Juckreiz, Ausschlag, Nesselsucht und Quaddeln treten häufig auf. Durch die Schwellungen der Haut und Schleimhaut können zudem Schmerzen und Spannungsgefühle bestehen.
  • Verdauung: Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Übelkeit sind möglich.
  • Herz-Kreislauf: Schwindel, Herzrasen und sogar ein Kreislaufschock können nach dem Verzehr von Erdnüssen auftreten. Das gilt sogar dann, wenn erste Hilfe Maßnahmen gegen die Allergie durchgeführt wurden.
  • Atemwege und Augen: Heuschnupfen, Atemnot und asthmatische Beschwerden sind typisch für schwerere Ausprägungen der Erdnussallergie.

Wann solltest Du bei einem Verdacht auf Erdnussallergie zum Arzt gehen?

Ein Arzt sollte immer dann aufgesucht werden, wenn die oben genannten Symptome auftreten. Bei schweren Symptomen, wie Atemnot oder Kreislaufbeschwerden, ist umgehend ein Notarzt zu verständigen. Das gilt auch dann, wenn diese zunächst als nicht allzu schwer empfunden werden oder sich zu bessern scheinen. Eine abrupte Verschlechterung ist möglich und lebensgefährlich.

Diagnose einer Erdnussallergie

Wie wird eine Erdnussallergie festgestellt?

Eine Erdnussallergie als Laie festzustellen, gestaltet sich als sehr schwierig. Da zumindest Spuren der Nüsse oder des Nussöls in zahlreichen Produkten zu finden sind, die vermeintlich nussfrei sind, treten die Symptome nicht nur nach dem Verzehr von puren Erdnüssen auf.

Für die eindeutige Diagnosestellung sind daher verschiedene ärztliche Testverfahrenerforderlich. Für gewöhnlich werden ein Prick-Test und eine Immunglobulin E (kurz auch IgE genannt) Untersuchung durchgeführt. Hierdurch kann eingegrenzt werden, worauf das Immunsystem allergisch reagiert. Besteht dennoch Unklarheit, kann weiterhin ein sogenannter Provokationstest erfolgen. Bei diesem findet unter ärztlicher Aufsicht ein Kontakt mit Erdnüssen statt.

Behandlung einer Erdnussallergie

Kann eine Erdnussallergie behandelt werden?

Es ist sehr schwer, die auslösenden Allergene bei einer Erdnussallergie lebenslang und ständig zu vermeiden. Bei Betroffenen kommt es daher selbst bei großer Vorsicht in vielen Fällen zumindest gelegentlich zu allergischen Reaktionen.

Hier kann durchaus eine Behandlung erfolgen. Kurzfristig und bei schweren Anfällen werden für gewöhnlich AntihistaminikaKortisonpräparate sowie Adrenalininjektionen verwendet. Nicht nur in schweren Fällen ist es sinnvoll, die jeweiligen Mittel als Notfall-Medikation bei sich zu führen. Langfristig gibt es zudem weitere Behandlungsmöglichkeiten.

Wie kann eine Erdnussallergie langfristig behandelt werden?

Um die Erdnussallergie nicht auszulösen, muss strikt darauf geachtet werden, die Allergene zu vermeiden. Das bedeutet größte Vorsicht bei der Ernährung.

Zusätzlich kann die Erdnussallergie durch eine Hyposensibilisierung behandelt werden. Bei dieser Therapie wird das Immunsystem langsam an die Allergene gewöhnt und gewissermaßen umerzogen. Das Auftreten und die Schwere der Symptome kann damit bei jedem Zweiten erheblich gelindert werden. Der langfristige Erfolg ist also möglich, jedoch nicht garantiert.

Erdnussallergie und Ernährung

Auf was ist bei der Ernährung zu achten?

Wie bereits erwähnt, müssen bei einer bestehenden Allergie Erdnüsse und Produkte daraus strikt gemieden werden. Das bezieht sich unter anderem auf:

  • Erdnussöl, -mus und –butter
  • Nussmischungen
  • Viele Cerealien und Snacks
  • Einige Backwaren
  • Schokolade
  • Fertigprodukte und -mischungen

Hinzu kommt, dass sogar Pflanzenöle und viele weitere verarbeitete Lebensmittel Spuren von Erdnüssen enthalten können, wenn bei der Herstellung die gleichen Mühlen und Geräte verwendet werden. Erdnussallergiker sollten daher dringendst auf Zutatenlisten und Hinweise auf den Produkten achten.

Tipps um die Erdnussallergie zu umgehen

Frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse aber auch unverarbeitetes Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte sind frei von Erdnüssen und Erdnussspuren und sollten bei der Ernährung bevorzugt werden.

Bei verarbeiteten Lebensmitteln ist hingegen in jedem Fall Vorsicht angeraten – das gilt auch für die Zubereitung in Restaurants und bei bestelltem Essen.

Wer ganz sicher gehen will, sollte in eine Getreidemühle investieren und auch Backwaren selbst herstellen, sowie auf raffinierte Öle setzen.

Krankheitsverlauf und Prognose

Tritt die Erdnussallergie in der Kindheit auf, besteht die Chance auf eine spontane Heilung – Erdnüsse werden dann wieder toleriert. In immerhin 20 Prozent der Fälle trifft das zu. Damit ist die spontane Toleranz bei Erdnussallergien deutlich seltener als beispielsweise bei Hühnerei, jedoch nicht unmöglich.

Tritt die Erdnussallergie erstmals im Erwachsenenalter auf, besteht sie für gewöhnlich lebenslang. Wer bereits unter allergischen Asthma leidet oder wenn sich dieses durch die Erdnussallergie entwickelt, hat zudem ein erhöhtes Risiko für schwere Symptome bis hin zum anaphylaktischen Schock.

Vorbeugung

Derzeit werden verschiedene Ansätze zur Prävention von Allergien untersucht. In Bezug auf die Erdnussallergie findet beispielsweise eine Studie statt, die die Auswirkungen einer frühzeitigeren Einführung von Erdnüssen in die Säuglingsnahrung untersucht.

Hintergrund hierfür ist, dass die Erdnussallergie in Ländern mit einer sehr zeitigen Einführung der Erdnüsse in den kindlichen Speiseplan nahezu unbekannt ist. Auch die hygienischen Bedingungen und Kontakt zu Tieren scheinen eine bedeutende Rolle bei der Vorbeugung von Allergien zu spielen. Haben Kinder schon im ersten Lebensjahr Kontakt zu Hunden, Katzen, Schweinen, Geflügel und Rindern – wie das auf Bauernhöfen zum Beispiel unweigerlich der Fall ist – treten Allergien deutlich seltener auf.

Erhält das Immunsystem zudem Gelegenheit zu trainieren – das heißt, in Kontakt zu Krankheitskeimen zu kommen – und sich dabei zu entwickeln, weil die Umgebung zwar sauber aber nicht durch Desinfektionsmittel keimfrei ist, kann das Allergierisiko zusätzlich verringert werden. Eine Garantie hierfür gibt es jedoch nicht.

Quellen

  • Mit Erdnüssen gegen Erdnussallergie. In „Ärzte-Zeitung“, (2009), 56, ISSN 0175-5811
  • Christopher Heidt: Orale Immuntherapie in Sicht Erdnussallergie : Erdnussallergie. In „Allergo Journal“, 23(2014), 2, S. 8 – 8, ISSN 0941-8849
  • Immer mehr Kinder mit Erdnussallergie. In „Ärzte-Zeitung“, (2010), 93, ISSN 0175-5811
  • Delicardo Foodfan : Lebensmittel, Allergien, Intoleranzen, Malabsorption. Behr´s Verl., 2012, ISBN 3899478576
  • Cox, A. and S. H. Sicherer (2015). „Peanut and tree nut allergy.“ Chem Immunol Allergy 101: 131-144.
  • Mueller, G. A., et al. (2014). „The molecular basis of peanut allergy.“ Curr Allergy Asthma Rep 14(5): 429.
  • Körner, Ute, Schareina, Astrid: Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten (in Daignsotik, Therapie und Beratung). Haug Verlag, 2010, Suttgart. ISBN 9783830473886

Kommentar verfassen