Kuhmilchunverträglichkeit, Kuhmilchallergie, Laktoseintoleranz – die Bezeichnungen sind nicht immer einfach auseinanderzuhalten.

 

Kuhmilchunverträglichkeit

Was ist eine Kuhmilchunverträglichkeit?

Unter dem Begriff Kuhmilchunverträglichkeit werden, zumindest in der Umgangssprache, drei verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst. Namentlich handelt es sich bei diesen um:

  1. Laktoseintoleranz: Bei der Laktoseintoleranz kann der Körper den enthaltenen Milchzucker nicht abbauen oder nicht aufnehmen, es besteht ein Mangel an dem Enzym Laktase, dass die Laktose in ihre Bestandteile aufspaltet. Die hauptsächlichen Beschwerden beschränken sich daher in der Regel vor allem auf den Verdauungstrakt, können jedoch auch das Allgemeinbefinden stark beeinträchtigen.
  2. Kuhmilchallergie: Besteht eine Kuhmilchallergie, reagiert der Körper allergisch auf Bestandteile der Milch. In der Regel handelt es sich hierbei um ein oder mehrere Eiweiße, die in der Kuhmilch reichlich vorhanden sind. Hierbei handelt es sich um Lactalbumin, Laktoglobulin und Kasein. Das Immunsystem erkennt diese fälschlicherweise als „Angreifer“ und bekämpft sie ähnlich eindringenden Krankheitserregern.
  3. Galaktosämie: Die Galaktosämie ist hingegen eine angeborene Stoffwechselerkrankung, die zwar selten ist, aber auch strikte Ernährungsregeln erfordert und daher stark einschränkend wirken kann. Bei der Galaktose handelt es sich um einen Bestandteil der Laktose.

Was ist Kuhmilch?

Bei der Kuhmilch handelt es sich um die Säuglingsnahrung für Kälber. Sie ist reich an Eiweiß und Fetten, enthält Vitamine und Mineralstoffe sowie Wachstumshormone. Ähnlich der Muttermilch des Menschen oder anderer Säugetiere steckt in ihr alles, was Neugeborene für das starke Wachstum benötigen.

Durch den Menschen wurde die nährstoffreiche Kuhmilch aber in großem Maße „zweckentfremdet“. Käse, Quark, Joghurt, Bindemittel in Fertigprodukten – die Verwendungszwecke sind vielfältig und Milch sowie Produkte daraus sind in vielen Gerichten nicht wegzudenken. Dadurch kommen vor allem Erwachsene meist nahezu täglich in Kontakt mit der Säuglingsnahrung für Kälber, obwohl der Verdauungstrakt darauf schon längst nicht mehr ausgelegt ist.

Wie viele Menschen sind von einer Kuhmilchunverträglichkeit betroffen?

Bis zu 5% der deutschen Kinder leiden bereits im Säuglingsalter unter einer Kuhmilchunverträglichkeit.

Bei Kuhmilchallergie und Laktoseintoleranz unter Erwachsenen finden sich bisher keine genauen Angaben. Klar ist aber, dass die Kuhmilchunverträglichkeit mit dem Alter zuzunehmen scheint, vor allem in Hinblick auf die Laktoseintoleranz.

Ursachen und Risikofaktoren einer Kuhmilchunverträglichkeit

Was passiert bei einer Kuhmilchunverträglichkeit in Deinem Körper?

Was bei einer Kuhmilchunverträglichkeit im Körper vorgeht, hängt von der Art der Unverträglichkeit ab. Bei einer Laktoseintoleranz kann der Milchzucker je nach Art der Ausprägung nicht oder nicht ausreichend aufgespalten und dementsprechend nicht absorbiert werden. Ursache hierfür ist ein Enzymmangel betreffend die sogenannte Laktase. Dieses Enzym wird benötigt, um Laktose in die Bestandteile Galaktose und Glukose zu spalten. Erst nach der Aufspaltung kann Laktose aufgenommen werden.

Bei der Kuhmilchallergie reagiert das Immunsystem allergisch auf bestimmte Bestandteile der Kuhmilch – nämlich die Eiweiße Lactalbumin, Laktoglobulin und Kasein, was wiederum zu allergischen Reaktionen und entzündlichen Prozessen führt.

Die Galatkosämie ist durch das vollständige oder teilweise Fehlen beziehungsweise eines Defekts des Enzyms Galaktose-1-Phosphat-Uridyltransferase gekennzeichnet, wodurch die Galaktose nicht abgebaut wird und es in Blut und Zellen zu einer erhöhten Konzentration daran kommt.

Welche Arten der Kuhmilchunverträglichkeit gibt es?

Im engeren Sinne beschreibt die Kuhmichunverträglichkeit die Laktoseintoleranz und die deutlich seltenere Galaktosämie. Umgangssprachlich wird jedoch auch die Kuhmilchallergie dazu gerechnet.

Wie entsteht eine Kuhmilchunverträglichkeit?

Je nach Art der Kuhmilchunverträglichkeit werden auch die Ursachen unterschieden:

  • Laktoseintoleranz
  • Kuhmilchallergie
  • Galaktosämie

Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer Kuhmilchunverträglichkeit?

Kuhmilch ist oftmals das erste fremde Eiweiß, mit dem Menschen im Säuglingsalter Kontakt haben. Je länger die Stillzeit davor und umso vorsichtiger neue Nahrungsmittel eingeführt werden, desto geringer ist das Risiko für eine Unverträglichkeit. Das gilt allerdings nur in begrenztem Maße.

Bei einer Laktoseintoleranz spielen zudem auch genetische Veranlagung, das Alter und die Darmgesundheit entscheidende Rollen. Handelt es sich nicht um eine Unverträglichkeit, sondern eine Kuhmilchallergie, werden vor allem genetische Vererbung und Hygienebedingungen als Ursachen angeführt. Leiden bereits die Eltern unter Allergien, liegt das Risiko für eine Allergie bei Kindern bei 60%. Haben die Kinder zudem in den ersten Lebensjahren wenig Kontakt zu Tieren, ist das Risiko ebenfalls erhöht.

Anders bei der Galaktosämie. Hier entscheidet allein die Veranlagung darüber, ob es zu der Stoffwechselerkrankung kommt. Die Kuhmilchunterverträglichkeit durch Galaktosämie ist also in jedem Fall angeboren. Zudem findet sich auch in anderen Lebensmitteln Galaktose, beispielweise in einigen Obst- und Gemüsesorten.

Symptome einer Kuhmilchunverträglichkeit

Welche Symptome treten bei einer Kuhmilchunverträglichkeit auf?

Auch bei den Symptomen einer Kuhmilchunverträglichkeit muss wiederum nach der eigentlichen Art der Erkrankung unterschieden werden. Handelt es sich um eine reine Unverträglichkeit, sind die folgenden Beschwerden typisch:

Leiden Säuglinge unter einer Kuhmilchunverträglichkeit kommen hierzu noch UnruheSchlafstörungenhäufiges Schreien und Koliken.

Anders bei einer Kuhmilchallergie. Durch die allergische Reaktion des Immunsystems kommt es hierbei zudem zu:

Wann solltest Du bei einem Verdacht auf eine Kuhmilchunverträglichkeit zum Arzt gehen?

Ein Arzt sollte immer dann umgehend aufgesucht werden, wenn die oben genannten Symptome auftreten. Vor allem bei schweren Beschwerden, wie blutiger oder chronischer Durchfall, Wachstumsverzögerungen bei Säuglingen oder starken Schmerzen ist der Arztbesuch dringend notwendig.

Diagnose einer Kuhmilchunverträglichkeit

Wie wird eine Kuhmilchunverträglichkeit festgestellt?

Es ist nicht immer einfach, eine Kuhmilchunverträglichkeit als Laie festzustellen. In manchen Neugeborenen-Screenings wird auf Galaktosämie getestet. Bei Säuglingen können zudem Symptome wie auffällig häufiges Schreien, anhaltende Unruhe und Koliken eindeutige Hinweise sein – vor allem wenn diese nach dem Einführen von Kuhmilchprodukten auftreten. Allerdings werden sie von Eltern nicht immer sofort auf die Kuhmilch zurückgeführt, sondern beispielsweise auf Wachstumsschübe oder Entwicklungsphasen bezogen.

Ähnlich schwierig gestaltet sich die Diagnose der Laktoseintoleranz oder einer Allergie. Da sich Milch und Milchprodukte als Bestandteil in sehr vielen Lebensmitteln finden, fällt der Ausschluss schwer. Aufschluss bringen daher nur entsprechende ärztliche Tests. Für gewöhnlich handelt es sich dabei um:

  • Prick-Test zur Feststellung beziehungsweise dem Ausschluss von Allergien
  • IgE-Blutuntersuchungen auf Antikörper im Blut
  • Provokationstest, bei dem vermutete Allergie- beziehungsweise Unterverträglichkeitsauslöser unter ärztlicher Aufsicht verzehrt werden
  • Eliminationsdiäten und das Führen eines Ernährungstagebuchs
  • H2-Atemtest
  • 13C-Atemtest

Behandlung einer Kuhmilchunverträglichkeit

Kann eine Kuhmilchunverträglichkeit behandelt werden?

Ob eine Kuhmilchunverträglichkeit behandelt werden kann, richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Handelt es sich um die angeborene Galaktosämie, schafft nur eine strikte Diät Abhilfe.

Bei Laktoseintoleranzen oder einer Kuhmilchallergie kann der Verzicht auf Milch und Milchprodukte ebenfalls die einzige Lösung sein. Es gibt jedoch auch andere Möglichkeiten, wie beispielsweise die Stabilisierung des Darms oder das Einnehmen von Laktase-Tabletten.

Wie kann eine Kuhmilchunverträglichkeit behandelt werden?

Der strikte Verzicht auf Kuhmilch und -produkte ist eine Variante, die Beschwerden zu vermeiden. Bei einer Schädigung des Darms durch andere Krankheiten, Medikamente oder Unverträglichkeiten können eine abgestimmte Therapie oder das Absetzen der Medikamente dazu führen, dass Milch wieder vertragen wird. Auch eine Darmsanierung kann sich hilfreich zeigen, ebenso wie der Verzicht auf Alkohol und Nikotin oder die Einnahme von Laktase-Präparaten.

Ernährung bei Kuhmilchunverträglichkeit

Auf was ist bei der Ernährung zu achten?

Zunächst auf die Vermeidung von Kuhmilch. Das gestaltet sich im Alltag nicht immer einfach, denn Milch oder Milchpulver finden sich in einer Vielzahl von Produkten. Saucen, Backwaren und Teigwaren, Fertigmischungen und –gerichte, Süßigkeiten und sogar Wurst – in vielen scheinbar milchfreien Speisen wird die Kuhmilch als Bindemittel eingesetzt. Hier ist also eine genaue Kontrolle beim Einkauf gefragt.

Die eigene Zubereitung aus frischen Lebensmitteln bringt daher oftmals ein höheres Maß an Sicherheit.

Tipps um die Kuhmilchunverträglichkeit zu umgehen

Wer keine Kuhmilch verträgt, muss nicht zwangsläufig auf alle Milchprodukte verzichten. Besteht beispielsweise eine Laktoseintolerlanz, finden sich auch bei den Kuhmilchprodukten mehrere laktosefreie Varianten.

Dazu bietet der Handel mittlerweile auch pflanzliche Alternativen, wie Reis-, Mandel-, Soja- oder Kokosmilch. Auch Ziegenmilch und Schafsmilch bieten sich bei einer Kuhmilchallergie an. Zudem können Mandelmus, Chia Samen und Backpulver als Milchersatz verwendet werden.

Quellen

  • Franz-Xaver Reichl: Taschenatlas Toxikologie. Thieme, 2009, ISBN 9783131089731
  • Kuhmilch-Allergie verschwindet meist wieder. In „Ärzte-Zeitung“, 2006, 159, ISSN 0175-5811
  • Kuhmilch-Allergie: für Notfallset sorgen! In „Ärzte-Zeitung“, 2002, 131, ISSN 0175-5811
  • Imke Reese: Allergie gegen Kuhmilch und Hühnerei: Was bietet die molekulare Allergiediagnostik? In „Allergo Journal, 24, 2015, 8, ISSN 0941-8849
  • Nahrungsmittel: Allergien sind seltener als vermutet. In „Ärzte-Zeitung“, 2006, 159, ISSN 0175-5811
  • Lothar Jäger: Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen : Immunologie, Diagnostik, Therapie, Prophylaxe. Urban & Fischer, 2002, ISBN 9783437213618
  • Reinhard Saller: Beiträge zur Phytotherapie. Marseille, 1993, ISBN 3886160521

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