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Bei der Laktoseintoleranz kann Milchzucker vom Körper nicht verdaut werden. Die Intoleranz kann zum einen angeboren sein, zum anderen aber auch erst im späteren Leben erworben werden.

Laktoseintoleranz

Was ist eine Laktoseintoleranz?

Von einer Laktoseintoleranz ist die Rede, wenn Laktose – also Milchzucker – kaum oder gar nicht mehr verdaut werden kann. Verantwortlich dafür ist ein fehlendes Enzym, die sogenannte Laktase. Diese befindet sich im Dünndarm. Ist sie nicht in ausreichendem Maße vorhanden oder aktiv, gelangt die Laktose aus der Nahrung unverdaut in den Dickdarm. Hier wird sie von Darmbakterien zersetzt – jedoch nicht verdaut.

Bei der Zersetzung des Milchzuckers kommt es zur Gärung, also zur Bildung von Gasen. Dieser Vorgang kann gleich mehrere Symptome auslösen.

Was ist Laktose?

Laktose ist Milchzucker, der natürlicher Weise in der Muttermilch von Säugetieren enthalten ist. Er setzt sich aus zwei der drei aufnehmbaren Einfachzucker, nämlich der Glukose und Galaktose zusammen. Beide Zuckerarten dienen dem Körper – wie auch der Einfachzucker Fruktose – als Energielieferanten und sorgen unter anderem dafür, dass die Aufnahme von Calcium erleichtert wird.

Wie viele Menschen sind von einer Laktoseintoleranz betroffen?

In Deutschland leiden etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung unter einer Laktoseintoleranz. In Skandinavien sind es mit gerade einmal zwei Prozent deutlich weniger. Im Süden Europas sowie in Afrika und Asien steigen die Zahlen der laktoseintoleranten Personen auf bis zu 100 Prozent. Die Unverträglichkeit ist also durchaus keine Seltenheit, sondern weltweit betrachtet eher die Regel als eine Ausnahme.

Ursachen und Risikofaktoren einer Laktoseintoleranz

Mit Ausnahme eines angeborenen kompletten Laktasemangels kommen alle Menschen mit der Fähigkeit auf die Welt, Laktose zu verdauen. Das ist auch lebensnotwendig, denn die Muttermilch enthält in jedem Fall Milchzucker und dient dem Säugling als erster Energielieferant.

Im Laufe des Lebens aber auch durch bestimmte Ursachen kann es zu einer zunehmenden aber auch abrupten Laktoseintoleranz kommen.

Was passiert bei einer Laktoseintoleranz im Körper?

Wie bereits erwähnt, ist der Körper bei einer Laktoseintoleranz nicht mehr in der Lage, den Milchzucker zu verdauen. Die Laktose gelangt unverdaut in den Dickdarm und wird von Bakterien zwar zersetzt, dieser Vorgang bringt aber keinen Energiegewinn für den Körper. Dies kann eine Vielzahl von Symptomen auslösen.

Welche Arten der Laktoseintoleranz gibt es?

Die Laktoseintoleranz wird in verschiedene Arten unterschieden. Darunter:

Angeborener, kompletter Laktasemangel

Hierbei kann von Geburt an keine Laktose verdaut werden. Diese Art der Laktoseintoleranz kann ohne Therapie für den Säugling innerhalb weniger Wochen tödlich enden.

Angeborener, primärer Laktasemangel

Diese häufigste Art der Laktoseintoleranz ist genetisch bedingt und bildet sich mit zunehmendem Alter immer mehr aus. Das Enzym Laktase verliert bei den meisten Menschen bereits ab dem zweiten Lebensjahr an Aktivität, Symptome treten aber für gewöhnlich erst im Erwachsenenalter spürbar auf.

Erworbener, sekundärer Laktasemangel

Diese Art der Laktoseintoleranz kann nach einer entzündlichen Erkrankung des Darms aber auch nach Operationen und der Einnahme von Medikamenten auftreten. Werden die Krankheiten erfolgreich behandelt, der Körper erholt sich nach dem chirurgischen Eingriff oder den Medikamenten, kann auch die Laktoseintoleranz wieder verschwinden.

Wie entsteht eine Laktoseintoleranz?

Wird weniger von dem Enzym Laktase gebildet, wird Laktose zunehmend nicht mehr vertragen. In der Regel reicht eine Laktaseaktivität von 50 Prozent aus, um bei einer ausgewogenen und vollwertigen Ernährung keinerlei Symptome zu bemerken. Da mit zunehmendem Alter bei den meisten Menschen aber immer weniger Laktase gebildet wird, ist die Entstehung der Laktoseintoleranz oftmals schleichend.

Ausnahmen stellen hier der angeborene, komplette Laktasemangel und der erworbene sekundäre Laktasemangel dar. Hier tritt die Laktoseintoleranz abrupt auf.

Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer Laktoseintoleranz?

Zu den Faktoren, die eine Laktoseintoleranz begünstigen, beziehungsweise die Schwere der Symptome intensivieren können, gehören:

  • Medikamente: Allen voran können sich Schmerzmittel und Antibiotika auf die Darmflora und die Enzymaktivität auswirken. Zwar lässt das keine Laktoseintoleranz entstehen, kann aber die Symptome verschlimmern.
  • Krankheiten und Operationen: Entzündliche Darmerkrankungen, andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten und chirurgische Eingriffe können die Bildung und Aktivität der Laktase beeinträchtigen und so die Verdauung von Laktose erschweren oder gänzlich unmöglich machen. Dieser Effekt muss nicht zwingend, kann aber durchaus von dauerhafter Natur sein. Wird die Ursache behandelt, kann sich auch bei der Laktoseunverträglichkeit eine Besserung zeigen.
  • Ernährung und Genussmittel: Wer seinen Darm dauerhaft mit Fertigprodukten, Zusatzstoffen, Alkohol und Nikotin belastet, schwächt ihn und macht ihn anfälliger für Krankheiten. Zudem wird die Flora und der Enzymhaushalt negativ beeinflusst. Das löst zwar keine Laktoseintoleranz aus, kann deren Symptome aber verschlimmern.
  • Immunsystem: Unausgewogene Ernährung, Stress, fehlende Bewegung und chronische Erkrankungen können das Immunsystem und damit wiederum den Darm schwächen. Unverträglichkeiten werden dann wahrscheinlicher und im Falle der Laktoseintoleranz oftmals verstärkt.

Symptome einer Laktoseintoleranz

Zu den typischen Symptomen einer Laktoseintoleranz gehören:

  • Häufige und übermäßige Blähungen
  • Völlegefühl
  • Übelkeit bis hin zum Erbrechen
  • Durchfall

Hinzukommen kann ein Schwächegefühl, anhaltendes Unwohlsein sowie Krämpfe und Schmerzen.

Wann zum Arzt?

Halten die beschriebenen Symptome an oder kommt es wieder und wieder zu derartigen Verdauungsstörungen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Diagnose einer Laktoseintoleranz

Eine Laktoseintoleranz kann auf zwei Wegen festgestellt werden. Zum einen ist es möglich, die Ernährung entsprechend laktosefrei umzustellen, verbessert sich der Zustand und die gewohnten Symptome bleiben aus, ist die Unverträglichkeit nahezu eindeutig nachgewiesen. Dazu muss allerdings über mehrere Wochen hinweg auf laktosehaltige Nahrungsmittel verzichtet werden.

Die zweite Möglichkeit ist ein beim Arzt durchgeführter Test. Hierbei wird in Wasser gelöster Milchzucker getrunken und im Anschluss die Atemluft auf Wasserstoff überprüft. Dazu sind gerade einmal drei bis vier Stunden nötig.

Behandlung einer Laktoseintoleranz

Der sicherste Weg die Symptome einer Laktoseintoleranz zu vermeiden, ist der Verzicht beziehungsweise die reduzierte Aufnahme von Laktose. Zudem stehen aber auch andere Möglichkeiten der Therapie zur Verfügung:

  • Bei einer erworbenen, sekundären Laktoseintoleranz, kann die Behandlung des Auslösers Abhilfe schaffen. Auch eine Darmsanierung oder gezielte Verbesserung der Darmflora bringt meist Erleichterung.
  • Die Einnahme von Laktase, beispielsweise in Tablettenform, hilft dem Körper dabei Laktose wieder aufspalten zu können. Ob die Einnahme sinnvoll ist, ist allerdings vom individuellen Fall abhängig.
  • Ein Austesten der eigenen Laktosegrenze macht es unnötig, komplett auf Milchprodukte und Co. zu verzichten. Meist können kleine Mengen Milchzucker noch problemlos verdaut werden, beispielsweise ein Glas Milch zu einer Mahlzeit oder auch verarbeitete Milchprodukte.

Ernährung bei Laktoseintoleranz

Viele glauben, bei einer Laktoseintoleranz schlicht auf Milch und Milchprodukte verzichten zu müssen. Doch der Milchzucker findet sich auch in Wurst und vielen anderen Lebensmitteln. Darunter:

  • Fertigmischungen, -gerichte und -gewürze
  • Backwaren, wie Kuchen aber auch Brötchen, Brot und Knabbereien
  • Süßwaren und Schokolade, Eis
  • Fleischwaren
  • Medikamente, Zusatzstoffe, Zahnpasta, Süßstoffe
  • Soßen

Hier ist beim Einkauf also genaues Hinsehen gefragt, denn auch wenn Dein Körper noch geringe Mengen Laktose verdauen kann – der aufgenommene Milchzucker summiert sich schnell, wenn er in Wurstbrot, Snacks und Getränken steckt.

Wie lässt sich die Laktoseintoleranz umgehen?

Eine Möglichkeit kennst Du bereits: Schau beim Einkauf genau hin. Laktose muss mittlerweile auf Lebensmitteln gekennzeichnet werden. Auch finden sich mittlerweile umfangreiche Listen mit von Natur aus laktosefreien Nahrungsmitteln, zu denen beispielsweise auch Schnitt- und Hartkäse gehören. Noch praktischer sind entsprechende Apps für laktoseintolerante Personen.

Zudem finden sich immer mehr laktosefreie Produkte sowie Reis-, Mandel- und Sojadrinks, als Milch- beziehungsweise Milchprodukteersatz.

Setze zudem auf unverarbeitete Lebensmittel und koche lieber selbst, als Fertigmischungen zu verwenden. Das erscheint anfangs zwar wie ein großer Mehraufwand, macht sich aber nicht nur bei einer Laktoseintoleranz schnell bemerkbar – es verbessert häufig auch ganz generell das Allgemeinbefinden.

Quellen

  • LAKTOSEINTOLERANZ – Wenn die Milch bläht. In „Ärzte & Wirtschaft“, (2011), Beilage Edition Med 3, ISSN 0177-7068
  • Delicardo Foodfan: Lebensmittel, Allergien, Intoleranzen, Malabsorption. ISBN 3899478576
  • Keikawus Arasteh: Innere Medizin. Thieme, 2013, ISBN 313118163X
  • Michael Adolph (u.a.): Ernährungsmedizin : nach dem neuen Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer; 276 Tabellen. Thieme, 2010, ISBN 3131002948
  • B. Obermayer-Pietsch: Osteoporose und Laktoseintoleranz. In „Journal für Mineralstoffwechsel“, 15(2008), S. 22 – 25, ISSN 1680-9408
  • Peter Layer: Praktische Gastroenterologie. Urban & Fischer, 2011, ISBN 3437233726
  • Rosado, J. L. (2016). „[Lactose intolerance].“ Gac Med Mex 152 Suppl 1: 67-73.
  • Vandenplas, Y. (2015). „Lactose intolerance.“ Asia Pac J Clin Nutr 24 Suppl 1: S9-13.

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